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Ist “sich streng an die Vorschriften halten” genug für die Überflutungsvorsorge?


 

von John Howell
Produktmanager im Bereich Regen & Hochwasser

Das Wohnen in der Nähe von Gewässern erfordert einen Präventionsplan für Situationen, in denen Überschwemmungen drohen. In der Vergangenheit hatten wir immer dann mit Hochwasser zu tun, wenn die Wetterereignisse „normale“ Parameter überschritten haben. Im Laufe der Zeit haben wir verschiedene Wege gefunden, um das Risiko von Überschwemmung zu mildern. Deiche, Dämme, Entwässerungssysteme, Bauvorschriften, Stadtplanung; all diese Maßnahmen tragen zur Reduzierung des Hochwasserrisikos bei. Einige dieser Minderungsstrategien wurden in das Gesetz fest aufgenommen. Nichts desto trotz sind Regeln und Verordnungen, Bauvorschriften und Gesetze nicht genug. Ingenieure und Wasserexperten müssen beim Entwerfen und Umsetzen der Infrastrukturen, Kreativität zeigen und kritisches Denken anwenden, um das Hochwasserrisiko zu mindern. Ein jüngstes Ereignis in meiner Heimatstadt zeigt diese Notwendigkeit.  

Huntsville, Alabama liegt am östlichen Rand des Tennessee Valley. Die traditionelle Ostgrenze der Stadt gehört zum westlichen Rand der Appalachen. Dort sind die Berge durch flache Täler getrennt, welche wiederum durch Bäche, kleine oder große Flüsse geteilt sind. Seit den 1950’er Jahren weist Huntsville ein überwältigendes Wachstum auf. Aus einer Kleinstadt mit 20.000 Einwohnern entwickelte sich eine Metropole mit 500.000 Menschen. Die Nachfrage nach Wohnraum hat dazu geführt, dass sich die einst friedlichen Täler zu Vororten der Stadt entwickelt haben.

Einer dieser Vororte erlebte nun in jüngster Zeit eine Situation, die die Bedeutung einer umfassenden Planung hervorhebt. Hampton Cove ist eine geplante Gemeinde mit 1200 Häusern, in einem Tal zwischen dem Mount Monte Sano und Keel Mountain, östlich von Huntsville. Vor dem Bau von Hampton Cove lag das Tal fast vollständig innerhalb des Überflutungsgebietes eines Jahrhunderthochwassers. In der Bebauungsplanung für die Gemeinde Hampton Cove wurden Maßnahmen zum Hochwasserschutz gewissenhaft berücksichtigt. Sämtliche Grundstücke wurden erhöht, sodass sie einige Meter über dem Pegel eines Jahrhunderthochwassers liegen. Die Gemeinde wurde zusätzlich um einen künstlichen See errichtet, damit dieser wie ein großes Rückhaltebecken fungiert. Dieses Rückhaltebecken besitzt einen Hochwasserüberlauf, welcher in Richtung des Flint River entwässert.

In den 72 Stunden zwischen dem 24. und 27. Dezember fielen im Huntsville-Gebiet mehr als 200 mm Niederschlag (hier klicken für weitere Messdaten).Am 24. Dezember betrug die Niederschlagshöhe 70 mm, gefolgt von 130 mm am nächsten Tag. Ein Regenereignis wie letzteres würde nomalerweise nicht die dort bereits vorhandenen Hochwasserschutzanlagen überlasten. Da die erhöhten Niederschläge allerdings so eng nacheinander folgten, der Boden bereits gesättigt und die Abflusskapazität begrenzt war, erwies sich dies nun als problematisch.

Die für Hampton Cove entworfene Regenwasserinfrastrukturfunktionierte wie geplant. Am 26. Dezember hatte der See die maximale Speicherkapazität erreicht und 3 Stunden lang wurde der See durch den Hochwasserüberlauf entlastet. Keines der Häuser dieses Gebietes war von Überschwemmung betroffen.

Das Gemeindegebiet ist allerdings durch zwei Straßen erschlossen; eine Straße führt aus dem Norden und die andere aus dem Süden in das Tal. Beide Straßen haben Abschnitte, welche nur knapp über dem Pegel des Jahrhunderthochwassers liegen. In der Nacht vom 26. Dezember erreichte der Flint River das Ufer, und das Wasser stieg ganze 2 Meter über Geländeoberkante an. Während die Häuser der Gemeinde hochgelegen und trocken waren, waren die in das Tal führenden Straßen mehrere Fuß unter Wasser. Die Hausbesitzer aus Hampton Cove hatten fast einen Tag lang keine Chance das Gemeindegebiet zu verlassen. Die vom Weihnachtsfest zurückkehrenden Bewohner konnten aufgrund der letzten 1,5 Kilometer nicht nach Hause.

Die Bewohner fragten sich, warum Straßenerhebungen bei der Planung des Gemeindegebietes nicht berücksichtigt wurden. Die einfache Antwort darauf ist, dass das Gesetz dies nicht vorgeschrieben hat.

Die überfluteten Straßen existieren dort seit mehr als hundertfünfzig Jahren, und führen in Madison Country durch zwei Ortschaften und ein gemeindefreies Gebiet. Die Bauvorschriften und Verordnungen in Bezug auf Neubaugebiete berücksichtigten keine Verkehrsinfrastrukturen außerhalb dieses Bereichs. Das Ziel der Vorschriften und Verordnungen war die Hochwasserprävention direkt vor Ort. Diese hat in der Tat ausgezeichnet funktioniert.

Dies ist kein Einzelfall. Traditionelle Methoden des Hochwassermanagements berücksichtigen nicht immer, was direkt außerhalb der Projektgrenze geschieht. Tatsache ist jedoch, dass auf der einen Seite die Gegebenheiten ober- und unterhalb eines betrachteten Gebietes das Hochwasserrisiko in diesem beeinflussen können, und auf der anderen Seite Baumaßnahmen innerhalb eines Gebietes zu Hochwasser Unter-und Oberstrom beitragen können. Diese Zustände sind nicht immer durch kommunale oder bundesweite Vorschriften geregelt.

Um Überschwemmungen in Situationen wie im Falle von Hampton Cove zu verhindern, bedarf es einer übergeordneten Planung zur Überflutungsvorsorge von allen am Bau beteiligten Planern. Ein gemeinsames Abstimmen von zukünftigen Bauvorhaben im Straßen- und Siedlungsbau können dabei helfen Probleme zu lösen, die auftreten können, wenn wir uns einfach “streng an die Vorschriften halten”.

[Howell, John: Is "Going by the Book" Enough for Flood Mitigation?. Aus dem Englischen von Anna-Maria Kroeplin/Jonathan Heard]